Alte Kostbarkeiten aus Spanien
Weihnachtskonzert des Göttinger Knabenchors in St. MarienWie
macht man ergreifende Musik? Camille Saint-Saëns hat in seinem
„Oratorio de Noël“ dafür ein einfaches Rezept: Er wendet sich weit
zurück in die musikalische Vergangenheit, lässt von ferne klösterliche
Gesänge anklingen, setzt auf den zarten Klangreiz rauschender
Harfenakkorde und den Glanz vollstimmigen Chorgesangs. Dieses
stellenweise wahrlich rührende Werk hatte der sehr engagiert
dirigierende Michael Krause am Sonntag ins Zentrum des traditionellen
Weihnachtskonzerts mit dem Göttinger Knabenchor in der Albanikirche
gestellt. Es war eine eindrucksvolle Aufführung mit einem im Vergleich
zu früheren Jahren deutlich strahlender gewordenen Chorklang, mit einem
zuverlässigen Solistenquintett (Nicola Krause-Glandorf, Sabine
Birkenfeld, Ursula Zagikhany, Sven Olaf Gerdes und José Lopez de
Vergara) und mit dem Orchester Concertino Göttingen, das sich als
kompetenter musikalischer Partner erwies. Gut geschult Umrahmt
wurde dieses Oratorium von Advents- und Weihnachtsliedern, Chorsätzen
von Duruflé und Rheinberger sowie – eine besondere Kostbarkeit – mit
„Liedern der Pilger“ aus dem spanischen Llibre Vermell aus dem 14.
Jahrhundert, in denen sich einstimmige gregorianische Melodien zu
eindringlichen mehrstimmigen Sätzen auffächern. Hier konnten die Sänger
des Göttinger Knabenchores den Reiz ihrer gut geschulten Stimmen auch
in solistischen Abschnitten vorführen. Wie gründlich sie vorbereitet
waren, machte allein schon der Umstand deutlich, dass sie ihren Part
auswendig sangen. Begeisterter Applaus in der gut besuchten Kirche.
Michael SchäferDer Knabenchor singt dieses Programm noch einmal am
Sonnabend, 18. Dezember, um 20 Uhr in der St.-Martini-Kirche Dransfeld. |