Ausgabe: GT  Datum: 14.12.2004

Alte Kostbarkeiten aus Spanien

Weihnachtskonzert des Göttinger Knabenchors in St. Marien

Wie macht man ergreifende Musik? Camille Saint-Saëns hat in seinem „Oratorio de Noël“ dafür ein einfaches Rezept: Er wendet sich weit zurück in die musikalische Vergangenheit, lässt von ferne klösterliche Gesänge anklingen, setzt auf den zarten Klangreiz rauschender Harfenakkorde und den Glanz vollstimmigen Chorgesangs.
Dieses stellenweise wahrlich rührende Werk hatte der sehr engagiert dirigierende Michael Krause am Sonntag ins Zentrum des traditionellen Weihnachtskonzerts mit dem Göttinger Knabenchor in der Albanikirche gestellt. Es war eine eindrucksvolle Aufführung mit einem im Vergleich zu früheren Jahren deutlich strahlender gewordenen Chorklang, mit einem zuverlässigen Solistenquintett (Nicola Krause-Glandorf, Sabine Birkenfeld, Ursula Zagikhany, Sven Olaf Gerdes und José Lopez de Vergara) und mit dem Orchester Concertino Göttingen, das sich als kompetenter musikalischer Partner erwies.
Gut geschult
Umrahmt wurde dieses Oratorium von Advents- und Weihnachtsliedern, Chorsätzen von Duruflé und Rheinberger sowie – eine besondere Kostbarkeit – mit „Liedern der Pilger“ aus dem spanischen Llibre Vermell aus dem 14. Jahrhundert, in denen sich einstimmige gregorianische Melodien zu eindringlichen mehrstimmigen Sätzen auffächern. Hier konnten die Sänger des Göttinger Knabenchores den Reiz ihrer gut geschulten Stimmen auch in solistischen Abschnitten vorführen. Wie gründlich sie vorbereitet waren, machte allein schon der Umstand deutlich, dass sie ihren Part auswendig sangen. Begeisterter Applaus in der gut besuchten Kirche. Michael SchäferDer Knabenchor singt dieses Programm noch einmal am Sonnabend, 18. Dezember, um 20 Uhr in der St.-Martini-Kirche Dransfeld.