Datum: 09.06.2004

Vivaldi mit Überbau

„Concertino del barocco“ in St. Marien

Stille. Die Augen der Musiker ruhen auf Gudrun Höbold. Ein kurzes Heben des Kopfes: die Violinen legen ihre flinke, säuselnde Spur. Die Celli folgen atemlos leise. Dann die Bassgruppe. Dann das jagende, fingerbrecherische Tutti: energische Bässe, sprudelnde Solisten.
Antonio Vivaldis Concerto d-Moll op. 3/11 funkelt an diesem Abend vor Spielfreude und prickelndem rhythmischem Feuer. Was das Göttinger Concertino del barocco in der Marienkirche bietet, ist barocke Musik mit viel Telemann und ohne Händel. Zudem hat das Concertino in künstlerischer Koproduktion Barock-Spezialisten aus Köln und Eisenach mit ins Boot geholt.
Farben- und temporeich wird musiziert. Quicklebendig swingen die Tutti. Die Solisten sorgen für verwegen-virtuosen Überbau, allen voran Dietmar Berger (Barockcello), der sich J. A. Hasses Concerto für Violoncello ex D à 5 – womöglich eine veritable Uraufführung – mit Fantasiekraft und eminenter Musikalität annimmt.
Melodischer Charme
Und auch Gudrun Höbold (Barockvioline) rückt Georg Philipp Telemanns Konzert für Violine G-Dur eroberungslustig und entzückend energiesprühend zu Leibe. Die Musiker lassen hier wie in zwei weiteren Stücken Telemanns – und im kurzen und feurigen Concerto für Violoncello (Jürgen Könnecke) op. 4/2 G-Dur von Giuseppe Jacchini – die Rädchen luzide ineinander greifen, so dass Telemanns elegante Musikmaschinerien, die bisweilen zu wenig wagen, allerhand melodischen Charme und klangliches Raffinement versprühten. Thomas Röllig