Vivaldi mit Überbau
„Concertino del barocco“ in St. Marien
Stille. Die Augen der Musiker ruhen auf Gudrun Höbold. Ein kurzes
Heben des Kopfes: die Violinen legen ihre flinke, säuselnde Spur.
Die Celli folgen atemlos leise. Dann die Bassgruppe. Dann das
jagende, fingerbrecherische Tutti: energische Bässe, sprudelnde
Solisten. Antonio Vivaldis Concerto d-Moll op. 3/11 funkelt an
diesem Abend vor Spielfreude und prickelndem rhythmischem Feuer. Was
das Göttinger Concertino del barocco in der Marienkirche bietet, ist
barocke Musik mit viel Telemann und ohne Händel. Zudem hat das
Concertino in künstlerischer Koproduktion Barock-Spezialisten aus
Köln und Eisenach mit ins Boot geholt. Farben- und temporeich
wird musiziert. Quicklebendig swingen die Tutti. Die Solisten sorgen
für verwegen-virtuosen Überbau, allen voran Dietmar Berger
(Barockcello), der sich J. A. Hasses Concerto für Violoncello ex D à
5 – womöglich eine veritable Uraufführung – mit Fantasiekraft und
eminenter Musikalität annimmt. Melodischer Charme Und
auch Gudrun Höbold (Barockvioline) rückt Georg Philipp Telemanns
Konzert für Violine G-Dur eroberungslustig und entzückend
energiesprühend zu Leibe. Die Musiker lassen hier wie in zwei
weiteren Stücken Telemanns – und im kurzen und feurigen Concerto für
Violoncello (Jürgen Könnecke) op. 4/2 G-Dur von Giuseppe Jacchini –
die Rädchen luzide ineinander greifen, so dass Telemanns elegante
Musikmaschinerien, die bisweilen zu wenig wagen, allerhand
melodischen Charme und klangliches Raffinement versprühten. Thomas
Röllig |