Anmut und Elastizität
Concertino Göttingen
Musik der Wiener Klassik stand auf dem Programm, mit dem sich
das Orchester Concertino Göttingen am Sonntag in der Marienkirche
präsentierte. Dass zeitgleich die Kunst-Gala in der Stadthalle
konkurrierte, war den etwas schütter besetzten Bänken zwar
anzumerken, doch war das Publikumsinteresse an diesem Abend durchaus
nicht klein.
Das mag unter anderem daran gelegen haben, dass Anton Säckl –
sonst vor allem als Klarinettist tätig – mit diesem Abend sein
Göttinger Debüt als Dirigent gab. Dass er gründlich mit seinen
Musikern gearbeitet hatte, war manchem den gelungenen Details ebenso
wie der straffen, konzentrierten Architektur der Sätze anzumerken.
Und dass er noch nicht lange in diesem Metier tätig ist, war
ebenfalls nicht zu übersehen: Seine Körpersprache wirkt noch etwas
befangen, beide Hände zeigen auch vielfach noch die gleiche
Gestik. Auf dem richtigen Weg Mozarts heitere B-Dur-Symphonie
KV 319 stand am Beginn, im Violinkonzert gleicher Tonart KV 207
präsentierte sich Henning Vater als empfindsamer Solist mit
schlankem, flexiblem Ton, wenn auch nicht immer lupenrein in der
Intonation. In Haydns Symphonie Nr. 88 hätte vielleicht das Andante
eine Spur flüssiger, das Schlusspresto noch etwas feuriger sein
können. Aber die Art und Weise, wie Säckl Kontraste schärfte, den
Haydnschen Witz herausarbeitete und der Musik Anmut und Elastizität
verlieh, zeigte, dass er auf dem richtigen Wege ist. Viel verdienter
Applaus. Michael
Schäfer |