Ausgabe: GT  Datum: 15.03.2006

Anmut und Elastizität

Concertino Göttingen

Musik der Wiener Klassik stand auf dem Programm, mit dem sich das Orchester Concertino Göttingen am Sonntag in der Marienkirche präsentierte. Dass zeitgleich die Kunst-Gala in der Stadthalle konkurrierte, war den etwas schütter besetzten Bänken zwar anzumerken, doch war das Publikumsinteresse an diesem Abend durchaus nicht klein.

Das mag unter anderem daran gelegen haben, dass Anton Säckl – sonst vor allem als Klarinettist tätig – mit diesem Abend sein Göttinger Debüt als Dirigent gab. Dass er gründlich mit seinen Musikern gearbeitet hatte, war manchem den gelungenen Details ebenso wie der straffen, konzentrierten Architektur der Sätze anzumerken. Und dass er noch nicht lange in diesem Metier tätig ist, war ebenfalls nicht zu übersehen: Seine Körpersprache wirkt noch etwas befangen, beide Hände zeigen auch vielfach noch die gleiche Gestik.
Auf dem richtigen Weg
Mozarts heitere B-Dur-Symphonie KV 319 stand am Beginn, im Violinkonzert gleicher Tonart KV 207 präsentierte sich Henning Vater als empfindsamer Solist mit schlankem, flexiblem Ton, wenn auch nicht immer lupenrein in der Intonation. In Haydns Symphonie Nr. 88 hätte vielleicht das Andante eine Spur flüssiger, das Schlusspresto noch etwas feuriger sein können. Aber die Art und Weise, wie Säckl Kontraste schärfte, den Haydnschen Witz herausarbeitete und der Musik Anmut und Elastizität verlieh, zeigte, dass er auf dem richtigen Wege ist. Viel verdienter Applaus.
Michael Schäfer