zurück zu "Konzerte 2005"

ORCHESTERKONZERT CONCERTINO GÖTTINGEN

am 4. Juni 2005 in der Marienkirche Göttingen

Joseph Haydn: Sinfonia Nr. 73, D-Dur "La Chasse"

Adagio -
Allegro Andante Menuetto/Allegretto
La Chasse / Presto

Leos Janacek: "Idyla"

Andante
Allegro
Moderato
Allegro
Adagio
Scherzo
Moderato
- PAUSE -

Franz Vincenz Krommer:

Konzert für Klarinette und Orchester, Es-Dur

Allegro
Adagio
Rondo / Allegro moderato

Anton Säckl, Klarinette

Raphaela Martens, Leitung

JOSEPH HAYDN (1732-1809), Sinfonie Nr. 73 D-Dur "La Chasse"

Diese Sinfonie erhielt ihren Namen "La Chasse" (Die Jagd) wahrscheinlich wegen ihres Schlusssatzes, den Haydn schon einmal als Ouvertüre zu einer seiner weitgehend vergessenen Opern geschrieben hatte. Die Sätze 1 bis 3 entstanden vermutlich 1781. Über der freundlichen Einleitung zum ersten Satz (Adagio, 3/4 Takt) liegt etwas wie Erwartung und leise Unruhe. Das folgende Allegro (alla breve) wird von pastoralen Stimmungen beherrscht. Dem flink dahinhuschenden ersten Thema steht als Variante ein zweiter, etwas wehmütiger Gedanke gegenüber. Schlussgruppe und Durchführung sind voller Leben und Bewegung und von keinen schwerwiegenden Gegensätzen erfüllt. Die Coda wird von ruhigen Piano-Akkorden der Streicher eingeleitet, die wie ferne Orgelklänge wirken. Das Andante (G-Dur, 2/4 Takt) erinnert an den langsamen Satz der "Paukenschlag - Sinfonie". Kindliche Freude und heitere Ruhe des dreimal erklingenden Themas wird durch unruhig flackernde Zwischengedanken kontrastiert. Leichte Schatten liegen über dem Menuett (D-Dur), während sich im Trio Oboe und Fagott zu einem gemütlichen, von den Streichern sparsam sekundierten Zwiegesang zusammenfinden. Der Schlusssatz (D-Dur, 6/8 Takt) - ohne Tempobezeichnung, in Abschriften mit "Presto" überschrieben - ist im Sinne der traditionellen Jagdszenen jener Zeit angelegt, vital und ursprünglich. Das besondere Kolorit erhält er durch die dominierende Rolle der Bläser, besonders der Hörner.
oben

LEOS JANACEK (1854-1928), „Idyla“

Im Alter von 24 Jahren komponierte Janacek die Suite "Idyla". Er betrachtete sie später als überholt und verstaute sie zusammen mit anderen Kompositionen in einer Bauerntruhe. Sein Schüler Bakala fand sie mit anderen Erstlingswerken nach seinem Tod. Die Komposition Idyla spiegelt Janaceks Auseinandersetzung mit der klassisch-romantischen Kompositionstechnik wider, erinnert jedoch auch daran, dass J. in seiner Jugend schon auf den Klangfall und die Intonation der menschlichen Sprache sensibel achtete und dass die Übertragung der menschlichen Sprache in die Sprache der Musik zu einem wichtigen Grundstein seines musikalischen Ausdrucks wurde. So verarbeitete er in der Suite von ihm gesammelte Volksliedmelodien und Volkstanzrhythmen. In den sieben ausdrucksmäßig kontrastierenden kurzen Teilen der Suite nutzt er den Klang der Streichinstrumente und ihre Fähigkeit, stimmungs- und farbenfrohe Kontraste zu schaffen. Rhythmische Eigenheiten wie der 5/4 Takt des dritten Satzes , die Achtelquintolen am Anfang des fünften Satzes und ungewöhnliche, überraschende metrische Unregelmäßigkeiten im weiteren Verlauf dieses Satzes zeigen den schon eigenen Stil trotz seines jugendlichen Alters, als er dieses Werk komponierte. In diesem Werk zeigt sich auch der Einfluss seines Lehrers Dvorak, z. B. an dem für Dvorak üblichen Wechsel von pizzicato- und coll'-arco-Achtelarpeggien sowie an den Motivwanderungen zwischen einzelnen Instrumentengruppen.
oben

FRANZ VINZENZ KROMMER (1759-1831), Konzert für Klarinette Es-Dur F. V.

Krommer betätigte sich als Violinist in ungarischen Städten und war später Hofkapellmeister am Wiener Hof. Er hinterließ der Nachwelt annähernd 300 Kompositionen. Sein Klarinettenkonzert wurde 1803 erstmalig publiziert, 12 Jahre nachdem Mozart sein berühmtes Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur geschrieben hatte. Es ist durchdrungen von Merkmalen stilistischen Wandels an der Schwelle zum 19. Jahrhunderts. So klingen Einleitung und Exposition des 1. Themas noch ganz nach Mozart, während die Überleitung zum 2. Thema, die auf die Klarheit und Virtuosität des galanten Stils zurückgreift, frühromantische Züge trägt. Der zweite Satz ist nach dem Vorbild der Romanze gestaltet. Das Soloinstrument strahlt hier Ruhe aus, der im Mittelteil eine pulsierende Unruhe des Orchesters gegenübersteht. Das Finalrondo ist ein lebhaft-heiterer Satz.
oben

Zu den Interpreten:

ANTON SÄCKL wurde mit 14 Jahren als Jungstudent am Mozarteum Salzburg aufgenommen, wo er sein erstes Konzertdiplom mit Auszeichnung absolvierte. Nach seinem Studium an der Musikhochschule Detmold/Dortmund gewann er das Probespiel für ein Praktikum beim Göttinger Symphonie Orchester, wo er aufgrund seiner klarinettistischen und musikalischen Fähigkeiten im Laufe seiner dreijährigen Praktikumstätigkeit immer wieder mit Solopartien zu hören war. Er besuchte Meisterkurse bei Alois Brandhofer und Hans Deinzer. Anton Säckl wirkte bei vielen Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen mit und spielte mit Mitgliedern des NDR Hamburg im Rahmen von Meisterkonzerten. Regelmäßig war er im Hildesheimer Opernorchester, im Göttinger Symphonie Orchester und im Münchener Domorchester tätig. Seit Oktober 2004 hat sich Anton Säckl mit seiner Firma www.finaleservice.de selbständig gemacht.
oben

RAPHAELA MARTENS, 1976 in Bonn geboren, erhielt im Alter von 6 Jahren ersten Cello- später auch Klavierunterricht. Von 1991 bis 1996 wurde sie von Prof. Reichardt an der Hochschule für Musik in Düsseldorf unterrichtet. 1992 trat sie als Cellistin in das überregionale Jugendorchester ein und übernahm ein Jahr später die musikalische und organisatorische Leitung des Orchesters. Es folgten Konzertreisen durch Deutschland, Polen, Tschechien und Irland. 1996 gründete sie das „Junge Kammerensemble Paul Hindemith“, ein Streichorchester mit dem Schwerpunkt Musik des 20. Jahrhunderts. Von 1996 bis 2000 studierte sie Chorleitung im Studiengang Dirigieren/Korrepetition bei Prof. Geissler und Prof. Rademann in Dresden. Gleichzeitig war sie Mitglied im Philharmonischen Chor- und Kammerchor Dresden. Von 2000 bis 2003 war sie als Chorleiterin in Kassel tätig und ist seit 2001 Mitglied im Vocalensemble Kassel unter Leitung von Prof. Darmstadt. Seit 2003 studiert sie bei Prof. Nussbaum, Prof. Brauss und Prof. Löhr an der Hochschule für Musik und Theater Hannover Dirigieren und wird das Studium Ende 2005 abschließen. Außerdem leitet sie verschiedene Chöre im Umkreis von Hannover und ist als Cellistin freischaffend tätig.
oben

Das Orchester CONCERTINO GÖTTINGEN wurde 2001 von in der Region Südniedersachsen ansässigen Musiklehrern gegründet, die auf einen transparenten und „sprechenden“ Musizierstil im Sinne der historischen Aufführungspraxis Wert legen. Es konzertiert in unterschiedlichen Besetzungsgrößen, vorwiegend jedoch als Kammerorchester. Bisher erarbeitete es sich mehrere Konzertprogramme, wobei der Schwerpunkt die Interpretation frühklassischer Musik (Bach-Söhne, Haydn, Mozart, Rosetti u. a.) war. Daneben wurden Werke anderer Stilrichtungen aufgeführt (Mendelssohn, Schubert). Als Solisten traten Musiker aus der Region auf (Anton Säckl, Carsten Armbrecht, Lucile Chaubard, Henning Vater). Gegenwärtig wirken im Orchester CONCERTINO GÖTTINGEN regelmäßig etwa 30 MusikerInnen mit. Das Orchester wird von Gastdirigenten (bisher: Johannes Moesus, Bernd Eberhardt) geleitet. Neben der orchestereigenen Konzerttätigkeit wirkte das Regionalorchester CONCERTINO GÖTTINGEN bisher bei vielen Kirchenkonzerten in Südniedersachsen,Thüringen und Nordhessen erfolgreich mit. Zur Aufführung kamen J. S. Bachs Oratorien (Weihnachtsoratorium, Oster- und Himmelfahrtsoratorium), Passionen (Matthäus-Passion, Johannes-Passion), Kantaten und Orchesterwerke, anspruchsvolle Kirchenmusikwerke von Haydn (Schöpfung), Mendelssohn (Lobgesang), Mozart und Schubert (Requiem u. Messen) und viele andere Kirchenmusikwerke weniger bekannter Komponisten aus dem Barock und aus späterer Zeit. Es entwickelte sich eine gute und stetige Zusammenarbeit mit Kirchenmusikern der Region, die voraussichtlich in der Zukunft weiter ausgebaut werden wird, weil das Orchester CONCERTINO GÖTTINGEN wegen seiner Flexibilität, seiner Qualität und Verlässlichkeit und nicht zuletzt wegen seines insgesamt guten Preis-Leistungs-Verhältnisses zunehmend an Ansehen gewonnen hat.
oben