Franz Schuberts 4.Symphonie
Von den acht überlieferten Symphonien schrieb Franz Schubert
allein sechs in den Jahren 1813 bis 1817, also in jugendlichem Alter
von 16 bis 20 Jahren. Zeitgleich schuf er Kammer-, Kirchen-,
Klaviermusik, Opern und etwa knapp die Hälfte seiner 660 Lieder!
In den frühen Sinfonien ist eine Anlehnung an die großen
Vorbilder Haydn, Mozart und Beethoven nicht zu leugnen, dennoch ist der
Umgang mit der großen sinfonischen Form und die sichere
Beherrschung des instrumentalen Klangapparats eigenständig und
meisterhaft. Die Werke zeichnen sich durch Frische und
schwärmerische Unbekümmertheit aus, wobei eine liedhafte, der
Wiener Volksmusik nahe Melodik und eigenwillige harmonische
Rückungen schon typische Kompositionsmerkmale Schuberts sind. In
der viersätzigen 4.Sinfonie, der „Tragischen“, verwendet Schubert
einmalig vier statt sonst zwei Hörner. Der Beiname soll von
Schubert selbst später hinzugefügt worden sein, wobei Robert
Schumann die Echtheit des Vermerks anzweifelt. Ist die Bezeichnung
„Tragische“ auch etwas zu dramatisch formuliert, so zeichnet sich diese
Symphonie im Vergleich zu den vorangegangenen sichtlich durch eine
epische Grundhaltung, und besonders im 2.Satz durch eine lyrische
Sprache mit weit ausschwingender Melodik aus. Das Kopfthema dieses
Satzes hat Schubert später noch einmal in seinem As-Dur Impromptu
op.142 Nr.2 verwertet. Die Ecksätze beginnen in der Grundtonart
c-moll und lichten sich zum Ende jeweils zum hellen C-Dur auf. Darin
wurden Parallelen zu Beethovens 5.Symphonie und zur
Coriolan-Ouvertüre gezogen, aber die Entwicklung in Schuberts
Sätzen ist nicht von Beethovenscher Dramatik geprägt, sondern
diese zeichnen sich, ebenso wie das Menuett, durch eine
überwiegend lichte Heiterkeit aus.
Utta Zimmer