Tageblatt-Interview mit dem Komponisten Andreas Kleinert
Stücke, die für junge Schüler spielbar
sind und gefällig klingen
Andreas Kleinert, geboren 1957 in Hamburg, ist
Musiklehrer am Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasium und Komponist.
Ein Porträtkonzert am Sonntag um 18 Uhr im Bürgerhaus
Bovenden präsentiert ausgewählte Werke. Michael Schäfer
hat Andreas Kleinert nach seiner Musik befragt.
Tageblatt: Haben Sie schon als kleiner Junge
davon geträumt, Komponist zu werden?
Kleinert: Geträumt nicht: Ich habe schon als
Sechsjähriger kurze Stücke geschrieben. Was Kindern so
einfällt: Kleine Duos für die Instrumente, die ich spielte,
Glockenspiel, Blockflöte, später auch Violine. Seitdem habe
ich nie aufgehört zu komponieren. Meine Tochter Insa übrigens
hat noch früher angefangen zu komponieren als ich: mit vier
Jahren. Jetzt ist sie 13.
Wie kamen Sie zur Musik?
Vor allem durch meinen Grundschullehrer. Der hat schnell
herausgefunden, dass ich ein gutes Gehör habe, und hat gesagt:
Andreas sollte Geige lernen. Das haben meine Eltern wohlwollend
unterstützt, ohne mich zu etwas zu drängen. Auch später
bin ich viel gefördert worden: durch meinen Lehrer im
Schulorchester, der mir kostenlos Kompositionsunterricht gegeben hat,
und durch dessen Vater, der an der Hamburger Musikhochschule
unterrichtete und mich kostenlos im Tonsatz ausgebildet hat. Das
hätten meine Eltern nie bezahlen können. So ergab sich
für mich der Glücksfall, dass ich am Studienbeginn den Stoff
des Grundstudiums schon gelernt hatte.
Im Hauptberuf sind Sie Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium in den
Fächern Musik und Geographie. Wann kommen Sie zum Komponieren?
Vor allem in den Ferien, nachmittags, am Wochenende.
Welche musikalischen Vorbilder haben Sie?
Ich habe keine expliziten Vorbilder. Man wird aber sicher so etwas wie
Prokofiew, Hindemith, Strawinsky, vielleicht auch Schönberg
heraushören, manchmal auch alles durcheinandergerührt.
Haben Sie Lieblingskomponisten?
Schwer zu sagen. Vielleicht Brahms oder Mahler – aber das ist nicht so
festgelegt.
An welches Publikum richtet sich Ihre Musik?
Ich habe verschiedene Adressaten. In letzter Zeit habe ich viel
pädagogische Musik geschrieben: Stücke, die für junge
Schüler spielbar sind und die gefällig klingen. Davon gibt es
gar nicht so viele auf dem Markt. In den letzten Jahren habe ich mich
immer mehr damit beschäftigt, Stücke zu schreiben, die mit
relativ wenig Probenaufwand darstellbar sind. Es hat lange Jahre
gedauert, bis ich zu dem stehen konnte, was ich heute mache: Nach dem
Musikstudium erwarten ja alle, dass man Avantgardist wird. Mir sind
solche Schubladen verhasst. Ich möchte mich auch nicht in die
Schublade eines pädagogischen Komponisten stecken lassen; meine
Ambitionen reichen weiter, wie die am Sonntag zu hörenden
Orchesterwerke und die Wolfgang-Borchert-Lieder zeigen. Ich möchte
Musik für Musiker komponieren, die sie gerne spielen und die
interessant für sie ist.
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