Ausgabe: GT  Datum: 17.06.2006
Andreas Kleinert



Tageblatt-Interview mit dem Komponisten Andreas Kleinert

Stücke, die für junge Schüler spielbar sind und gefällig klingen

Andreas Kleinert, geboren 1957 in Hamburg, ist Musiklehrer am Göttinger Theodor-Heuss-Gymnasium und Komponist. Ein Porträtkonzert am Sonntag um 18 Uhr im Bürgerhaus Bovenden präsentiert ausgewählte Werke. Michael Schäfer hat Andreas Kleinert nach seiner Musik befragt.
Tageblatt: Haben Sie schon als kleiner Junge davon geträumt, Komponist zu werden?
Kleinert: Geträumt nicht: Ich habe schon als Sechsjähriger kurze Stücke geschrieben. Was Kindern so einfällt: Kleine Duos für die Instrumente, die ich spielte, Glockenspiel, Blockflöte, später auch Violine. Seitdem habe ich nie aufgehört zu komponieren. Meine Tochter Insa übrigens hat noch früher angefangen zu komponieren als ich: mit vier Jahren. Jetzt ist sie 13.

Wie kamen Sie zur Musik?
Vor allem durch meinen Grundschullehrer. Der hat schnell herausgefunden, dass ich ein gutes Gehör habe, und hat gesagt: Andreas sollte Geige lernen. Das haben meine Eltern wohlwollend unterstützt, ohne mich zu etwas zu drängen. Auch später bin ich viel gefördert worden: durch meinen Lehrer im Schulorchester, der mir kostenlos Kompositionsunterricht gegeben hat, und durch dessen Vater, der an der Hamburger Musikhochschule unterrichtete und mich kostenlos im Tonsatz ausgebildet hat. Das hätten meine Eltern nie bezahlen können. So ergab sich für mich der Glücksfall, dass ich am Studienbeginn den Stoff des Grundstudiums schon gelernt hatte.

Im Hauptberuf sind Sie Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium in den Fächern Musik und Geographie. Wann kommen Sie zum Komponieren?
Vor allem in den Ferien, nachmittags, am Wochenende.

Welche musikalischen Vorbilder haben Sie?
Ich habe keine expliziten Vorbilder. Man wird aber sicher so etwas wie Prokofiew, Hindemith, Strawinsky, vielleicht auch Schönberg heraushören, manchmal auch alles durcheinandergerührt.

Haben Sie Lieblingskomponisten?
Schwer zu sagen. Vielleicht Brahms oder Mahler – aber das ist nicht so festgelegt.

An welches Publikum richtet sich Ihre Musik?
Ich habe verschiedene Adressaten. In letzter Zeit habe ich viel pädagogische Musik geschrieben: Stücke, die für junge Schüler spielbar sind und die gefällig klingen. Davon gibt es gar nicht so viele auf dem Markt. In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr damit beschäftigt, Stücke zu schreiben, die mit relativ wenig Probenaufwand darstellbar sind. Es hat lange Jahre gedauert, bis ich zu dem stehen konnte, was ich heute mache: Nach dem Musikstudium erwarten ja alle, dass man Avantgardist wird. Mir sind solche Schubladen verhasst. Ich möchte mich auch nicht in die Schublade eines pädagogischen Komponisten stecken lassen; meine Ambitionen reichen weiter, wie die am Sonntag zu hörenden Orchesterwerke und die Wolfgang-Borchert-Lieder zeigen. Ich möchte Musik für Musiker komponieren, die sie gerne spielen und die interessant für sie ist.

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