Ausgabe: GT  Datum: 20.06.2006

Eigene Handschrift

Komponistenporträt Andreas Kleinert

Der Komponist Andreas Kleinert schlägt Brücken. In seinem Werk überwindet er stilistische Gräben – zwischen Klassik und populärer Musik, zwischen Schulmusik und Bühnenmusik. Lieber konzentriert er sich auf das Wesentliche: dass die Musik dem Musiker Freude bereitet und den Zuhörer berührt. All das macht seine Musik so modern und zeitgemäß. Die Musikfreunde Bovenden stellten am Sonntag den Göttinger Komponisten und Musiklehrer mit einem Komponistenporträt ausführlich vor.
Die Trennung der Musik in E- und U-Musik sei der Tod der Musik, erklärte Kleinert. Der Komponist ist deshalb ein Suchender nach Neuem – und ein Finder. Das gut besuchte Konzert zeigte die Vielfalt seiner vorwiegend neueren Arbeiten: orchestrale Werke neben Kammermusik, das Kunstlied neben einem humorvollen plattdeutschen Lied, Klaviermusik neben schwungvoller Schülermusik mit Blasinstrumenten, Gitarren und Schlagzeug.
Amüsante Zwiegespräche
Andreas Kleinert schafft mit eigener Handschrift Musikstücke, die gleichermaßen frisch, unterhaltsam und dabei geistreich sind. Ein Duo „Vivace“ für Violine und Viola wird zum amüsanten Zwiegespräch. Frühe Liedvertonungen von Gedichten Wolfgang Borcherts unter dem Titel „Laternenträume“ (geschrieben 1983/84) – vorgetragen von Sabine Birkenfeld mit Mechthild Kiefer als Klavierpartnerin – changieren von getragenen zu atmosphärischen bis zu rasanten Tonbildern. Augenzwinkernd swingt sein Streichquartett „Up & Down“. Die Klavierstücke „Kangoroo“ und „4 up & 4 down“, gespielt von Mechthild Kiefer, sind temperamentvoll und energiegeladen.
Großes Format
Der 49-jährige Komponist bewies in zwei Orchesterwerken, wie sehr ihm auch das große Format liegt. Das „Concertino Göttingen“ stellte mit beeindruckender Brillanz sein „Scherzo concertante für Kontrabass und Streichorchester“ aus dem Jahre 2003 (Solo: Maria Soltesz) sowie – als Uraufführung – das 2004 komponierte, facettenreiche „Concertino per violino solo e ‚Concertino‘“ (Solo: Almut Seidel) vor.
Alle Kompositionen des Abends zeichnet eine angenehme Klarheit und eine positive Grundstimmung aus. Gerne lässt der Komponist bezaubernde Melodien auftauchen und setzt unerwartete Abschlusspointen. Andreas Kleinert schreibt nicht nur wunderbare Musik, er kann sie auch selber wunderbar interpretieren: Am Sonntag griff er immer wieder selber zur Violine, zupfte die Gitarre, sang und dirigierte das Orchester.
Udo Hinz