Eigene Handschrift
Komponistenporträt Andreas Kleinert
Der Komponist Andreas Kleinert schlägt Brücken. In seinem Werk
überwindet er stilistische Gräben – zwischen Klassik und populärer
Musik, zwischen Schulmusik und Bühnenmusik. Lieber konzentriert er
sich auf das Wesentliche: dass die Musik dem Musiker Freude bereitet
und den Zuhörer berührt. All das macht seine Musik so modern und
zeitgemäß. Die Musikfreunde Bovenden stellten am Sonntag den
Göttinger Komponisten und Musiklehrer mit einem Komponistenporträt
ausführlich vor. Die Trennung der Musik in E- und U-Musik sei der
Tod der Musik, erklärte Kleinert. Der Komponist ist deshalb ein
Suchender nach Neuem – und ein Finder. Das gut besuchte Konzert
zeigte die Vielfalt seiner vorwiegend neueren Arbeiten: orchestrale
Werke neben Kammermusik, das Kunstlied neben einem humorvollen
plattdeutschen Lied, Klaviermusik neben schwungvoller Schülermusik
mit Blasinstrumenten, Gitarren und Schlagzeug. Amüsante
Zwiegespräche Andreas Kleinert schafft mit eigener
Handschrift Musikstücke, die gleichermaßen frisch, unterhaltsam und
dabei geistreich sind. Ein Duo „Vivace“ für Violine und Viola wird
zum amüsanten Zwiegespräch. Frühe Liedvertonungen von Gedichten
Wolfgang Borcherts unter dem Titel „Laternenträume“ (geschrieben
1983/84) – vorgetragen von Sabine Birkenfeld mit Mechthild Kiefer
als Klavierpartnerin – changieren von getragenen zu atmosphärischen
bis zu rasanten Tonbildern. Augenzwinkernd swingt sein
Streichquartett „Up & Down“. Die Klavierstücke „Kangoroo“ und „4
up & 4 down“, gespielt von Mechthild Kiefer, sind
temperamentvoll und energiegeladen. Großes Format Der
49-jährige Komponist bewies in zwei Orchesterwerken, wie sehr ihm
auch das große Format liegt. Das „Concertino Göttingen“ stellte mit
beeindruckender Brillanz sein „Scherzo concertante für Kontrabass
und Streichorchester“ aus dem Jahre 2003 (Solo: Maria Soltesz) sowie
– als Uraufführung – das 2004 komponierte, facettenreiche
„Concertino per violino solo e ‚Concertino‘“ (Solo: Almut Seidel)
vor. Alle Kompositionen des Abends zeichnet eine angenehme
Klarheit und eine positive Grundstimmung aus. Gerne lässt der
Komponist bezaubernde Melodien auftauchen und setzt unerwartete
Abschlusspointen. Andreas Kleinert schreibt nicht nur wunderbare
Musik, er kann sie auch selber wunderbar interpretieren: Am Sonntag
griff er immer wieder selber zur Violine, zupfte die Gitarre, sang
und dirigierte das Orchester. Udo
Hinz |